Warum spenden?
Engagierte Gütersloher und ihre Motivation
Ideen-Spender
„Ich war immer Lobbyist; habe spannende Aufgaben gehabt und dabei interessante Persönlichkeiten wie Bill Clinton oder den damaligen chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji getroffen. Dabei arbeitete ich immer im eigenen Interesse oder für den Verband, die Firma, meine Familie.“ Dann beschloss Ludger Theilmeier, das alles hinter sich zu lassen und sich für Menschen zu engagieren, die keine Lobby haben.
Seine Idee: ein Patenschafts-Programm für Hauptschüler ohne Ausbildungsplatz und wenig Chancen auf eine berufliche Zukunft. Mit fünf Jugendlichen fing er an. Er begleitete sie zu den Firmen, organisierte Praktikumsplätze und Vorstellungsgespräche. Mit Hilfe der Stadt Stiftung Gütersloh – Die Bürgerstiftung weitete der 61-jährige Leiter der Westfälischen Provinzial-Geschäftsstelle in Gütersloh das Projekt aus. Zurzeit gibt es bereits 15 neue Paten aus verschiedenen Berufssparten. „Am Anfang war häufiges Klinkenputzen angesagt“, so Ludger Theilmeier, „aber dieses Projekt gibt meinem Leben etwas, was alle Menschen brauchen: einen Sinn.“
Zeit-Spenderin
"Ich organisiere fast alles per SMS. Ihr Handy haben die Jugendlichen schließlich immer dabei.“ Elisabeth Böddeker weiß, wer mit jungen Leuten arbeitet, sollte mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren. Ob Sternschnuppenzeit, Musical-Gottesdienst oder Musik im Krankenhaus, die 47-Jährige ist seit sieben Jahren immer dann dabei, wenn es um Kinder, Jugendliche und Musik geht. Sie organisiert im Hintergrund, kümmert sich um die Lichttechnik und singt auch leidenschaftlich gerne mit. Für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Stadt Stiftung Gütersloh – Die Bürgerstiftung und in ihrer Kirchengemeinde investiert die selbstständige Steuerfachfrau rund sechs Stunden in der Woche.� „Heutzutage wird sich viel zu wenig um andere gekümmert“, so Elisabeth Böddeker. Das Prinzip der Bürgerstiftung „Gütersloher für Gütersloher“ spricht sie daher besonders an. Die Jugendlichen seien es kaum noch gewohnt, erzählt sie, dass sich jemand Zeit für sie nehme. Deshalb seien viele sehr begeistert, werden motivierter und einsatzbereiter. »Die Zeit für die Stiftungsprojekte ist für mich eine Investition mit hoher Rendite für die Zukunft – und den Spaß gibt es kostenlos dazu.«
Geld-Spenderin
„Ich bin hier in den letzten elf Jahren heimisch geworden, und möchte der Stadt etwas zurückgeben.“ Manche Menschen wollen sich engagieren, kommen aber aus Zeitmangel nicht dazu. Und es gibt Menschen, die haben keine Zeit, aber packen einfach an. Gabriele Conert gehört zweifelsohne zur zweiten Kategorie. Die Inhaberin der McDonald’s-Filialen in Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück fackelt nicht lange, wenn es darum geht, eine Idee oder einen Plan umzusetzen. Da beklebt sie auch schon mal eigenhändig mit Helfern 250 Spendendosen für die Stadt Stiftung Gütersloh – Die Bürgerstiftung.��
Einige der Spendendosen stehen seit Anfang 2006 in den Gütersloher Filialen der Fast-Food-Kette. Viele Gäste werfen ihr Wechselgeld ein oder geben auch mal einen Euro mehr für den guten Zweck. Über 3000 Euro kamen letztes Jahr auf diese Weise zusammen. Die Idee dazu war von Gabriele Conert selbst. Sie ist bei Weitem nicht ihr einziges Engagement für die Bürgerstiftung und deren Projekte. Ob Preise für die Tombola oder eine Lamelle für die Bürgerbank, die 47-jährige gebürtige Düsseldorferin unterstützt die Arbeit der Stiftung seit vielen Jahren.�
Unvergessen ist, wie sie 2004 bei der Verleihung des „Preis der Stadt Stiftung Gütersloh“ spontan erklärte, die beiden Preisträger, zwei Gütersloher Hauptschulpädagogen, zusätzlich mit einem jeweils vierstelligen Betrag unterstützen zu wollen. „Ihre Projekte haben mir gefallen, also habe ich Geld gegeben“, erklärt die Unternehmerin. So einfach ist das. Und so hilfreich.�
„Was Du im Bauch und im Kopf hast, kann dir keiner mehr nehmen“, hat Vater Conert seiner Tochter mit auf dem Lebensweg gegeben. Einen Ratschlag, den sie stets beherzigt. Projekte für Jugendliche, die deren Lernen fördern, liegen Gabriele Conert deshalb besonders am Herzen. Wie wichtig für viele Jugendliche Hilfe bei der Vorbereitung auf das Berufsleben ist, erlebt sie hautnah bei ihren eigenen Auszubildenden. Vielen mangelt es an Rückhalt im Elternhaus oder finanzielle Sorgen lenken von der Schule ab. Helfen können da START-Stipendien für Zuwandererkinder- und jugendliche oder das Patenschaftsprojekt für Hauptschüler ohne Ausbildungsplatz.��
„Ich bewundere Menschen, die ehrenamtlich etwas für andere tun, immer sehr – ehrlich“, so Conert. Geld geben sei dagegen vergleichsweise einfach, meint die viel beschäftigte Geschäftsfrau. Für ein gelebtes Ehrenamt fehlt ihr die Zeit. „Umso wichtiger ist es für eine Stadt, dass es eine Institution gibt wie die Stadt Stiftung Gütersloh. Sie ist die Schnittstelle, die engagierte Spender von Zeit, Ideen und Geld an einen Tisch bringt und daraus das Beste für die Stadt macht, in der wir alle leben.“


